Parkinson – Wenn Worte leiser werden
- munoz206
- 22. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Als Logopädin begegne ich in meinem Praxisalltag immer wieder Menschen, deren Leben sich durch die Diagnose Parkinson grundlegend verändert hat. Die Erkrankung betrifft nicht nur die Beweglichkeit des Körpers, sondern oft auch die Stimme, die Sprache und das Schlucken, also genau die Bereiche, die für Kommunikation, Genuss und Lebensqualität so zentral sind.
Parkinson ist eine neurologische Erkrankung, bei der bestimmte Nervenzellen im Gehirn nach und nach ihre Funktion verlieren. Typische Symptome wie Zittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor) und verlangsamte Bewegungen (Bradykinese) sind vielen bekannt. Weniger sichtbar, aber für die Betroffenen oft ebenso belastend, sind die Veränderungen im Sprechen und Schlucken. Die Stimme wird leiser, monotoner, manchmal auch heiser. Wörter verschwimmen, Sätze werden undeutlich. Ein Patient berichtete mir einmal, dass er für andere oft „nicht mehr richtig hörbar“ ist, obwohl er selbst das Gefühl hatte, normal zu sprechen.
Genau hier setzt die logopädische Therapie an. Unser Ziel ist es, die Kommunikationsfähigkeit zu erhalten und wenn möglich zu verbessern.
Ein zentraler Bestandteil der Therapie ist das Training der Stimme. Viele Parkinson-Betroffene sprechen zu leise, ohne es selbst zu merken. In der Therapie arbeiten wir gezielt daran, die Lautstärke zu steigern und die Stimme tragfähiger zu machen. Ein bekanntes Konzept nennt sich LSVT (Lee Silverman Voice Treatment), bei dem die Patientinnen und Patienten lernen, ihre Lautstärke und Aussprache durch spezifische Übungen zu verbessern. Dabei wird nicht „lautes Sprechen“ im Sinne von Schreien geübt, sondern ein gesunder, klarer Stimmklang.
Auch die Artikulation spielt eine große Rolle. Durch gezielte Übungen für Lippen, Zunge und Kiefer wird die Beweglichkeit verbessert, sodass Worte wieder klarer geformt werden können. Häufig kombinieren wir dies mit Sprechübungen im Alltagskontext, damit das Gelernte direkt in Gesprächen angewendet werden kann.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Atmung. Eine stabile Atemführung ist die Grundlage für eine kräftige Stimme und flüssiges Sprechen. In der Therapie lernen die Patientinnen und Patienten, ihre Atmung besser zu koordinieren und gezielt beim Sprechen einzusetzen.
Neben dem Sprechen widmen wir uns auch dem Schlucken. Parkinson kann dazu führen, dass das Schlucken unsicher wird, was ein Risiko für Verschlucken oder sogar Lungenentzündungen erhöhen kann. Durch spezielle Schluckübungen und Anpassungen im Essverhalten unterstützen wir die Betroffenen dabei, wieder sicherer und mit mehr Genuss essen und trinken zu können.
Was mir in der Arbeit besonders am Herzen liegt: Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte, seine eigenen Bedürfnisse und sein eigenes Tempo mit. Die logopädische Therapie ist deshalb immer individuell angepasst. Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, Kommunikation wieder möglich und angenehm zu machen.
Parkinson verändert vieles, aber es nimmt nicht die Persönlichkeit, die Erfahrungen und die Stimme eines Menschen. Gemeinsam können wir daran arbeiten, dass diese Stimme wieder gehört wird.





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